„riskieren Sie mehr“ – Nachruf auf Heinz Kahlau

Für mich war er Stein des Anstoßes und ehrlichster Kritiker.

Als er sich 1957 mit kritischen Worten (Versen) zum Ungarn-Aufstand negativ ins Licht rückte und damit Stärke bewies, hätte dieser Tage niemand vermutet, dass am Osterwochenende 2012 ein ähnliches politisches Gekriesel die breiten Medien bestimmt. Israel erteilt Günter Grass ein Einreiseverbot, weil er sagte, was seiner Meinung nach gesagt werden musste.

Als ich 1997 motiviert das bekannteste Werk Kahlaus „Du“ studierte und Judith mich motivierte zu Schreiben, entstand in einer zufälligen Sommernacht „Stille“. Es legte den Grundstein für heute drei Bücher. „Die Zeit ist ein Dieb“ erschien 2005, „Nur so am Rand“ 2009 und „Weil die Zeit sich so beeilt“ ein Jahr später, 2010.

Im August 2011 trafen die Seiten des dritten Buches auf die Hände und Augen des Motivators. Heinz Kahlau wurde kurzzeitig mein schärfster Kritiker. Er las meine Gedichte, und kommentierte „riskieren Sie mehr“. Zurückgezogen aus dem Großstadtgetümmel lebte er seit Mitte der 2000er Jahre auf der Insel Usedom, wo er jetzt sein letzte Ruhe findet.

Ich danke Heinz Kahlau für Anstoß und Grundsteine, seinen Mut und seine Ehrlichkeit. Ich danke für – in Gedanken verlorenen Nächten, Zweifel, Träumereien und Vorantreiben.

Heinz Kahlau starb am 6. April 2012 im Alter von 81 Jahren.

3 Kommentare

  • das ist

    weniger Nachruf, als Anekdote!

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  • incl_Mwst

    Vielleicht war er ja auch nur ein übler Lügner – wohldosiert auf Abstand zum System und dann mit hervorragender Karriere während seiner IM-Zeit.
    Kahlau verfasste das Libretto zu übelster Propaganda während des Mauerbaus, er trat der SED erneut bei, während selbst SED – Karrieristen wie R. Havemann aufgrund der in dieser Zeit publik werdenden Verbrechen Stalins zum Regime auf Abstand gingen.
    Was folgte war die Zeit als P.E.N. Vorsitzender – 10 Jahre Ausbau des SED / STASI – Einflusses auf den P.E.N. der DDR, was systemkritischen Autoren jede Unterstützung durch den P.E.N.-International unmöglich machte und weiter isolierte. Lieber Christian – ich denke, du solltest die Figur Kahlau nochmals hinterfragen – Nähe schafft Sympathie und manchmal sind Menschen doch andere als die, für die wir sie halten.

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  • Mit der politischen Motivation Kahlaus habe ich mich über lange Zeit beschäftigt, mit seinem Leben ebenso. Sein Tun war, wie es war. Es wird nicht passieren, dass ich mich öffentlich dazu äußere, dass wäre nach seinem Tod nicht fair. Leben ist endlich, und aus dieser Sicht gehen wir alle den gleichen Weg. Von Kahlaus Schreibe nahm ich mir die Dinge als Motivation, die ich wollte, so bleibt es auch in Zukunft.

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